Die öffentliche Präsenz des Widerstands aus der Vogelperspektive

Rund ein Jahr ist vergangen, seit sich mit den ersten grundgesetzwidrigen Maßnahmen gegen Corona auch der erste nennenswerte Widerstand regte. Zeit, für etwas Manöverkritik an insbesondere medialen Aspekten des Widerstands. Denn das ist eine der Hauptbaustellen: Wären die Medien voll von politischer Fundamentalkritik, wäre das traurige Corona-Regime wohl schon lange Geschichte.

Egal was wir tun, wenn unsere Botschaft immer erst nach intensivem Negativ-Framing beim Empfänger ankommt, werden wir weite Teile der Bevölkerung nie erreichen. Wir arbeiten gegen einen durchperfektionierten Propagandaapparat, der vielen Bürgern so überhaupt nicht bewusst ist. Um diesen Apparat zu umgehen, muss fundamentale Medienkritik bei der Bevölkerung ankommen, und dazu müssen wir die Möglichkeiten, aus unserer Blase herauszukommen und die Leute zu erreichen, möglichst ausbauen und effizient nutzen. Wir haben dabei keinerlei Mangel an vernünftig aufbereiteten Inhalten, was fehlt ist ganz überwiegend deren Verbreitung.

Und gerade hier denke ich besitzen wir als Bewegung noch einiges Verbesserungspotenzial. Jeder einzelne kann täglich dazu beitragen und bereits mit einer motivierten 10-Mann-Truppe kann man in einer Kleinstadt sehr effektiv Öffentlichkeitsarbeit leisten.

Die bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Gewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in der demokratischen Gesellschaft. Wer die ungesehenen Gesellschaftsmechanismen manipuliert, bildet eine unsichtbare Regierung, welche die wahre Herrschermacht des Landes ist.

Edward Bernays, „Propaganda“, 1928

Flyer verteilen und in kleinen Geschäften und Tankstellen auslegen, Aufkleber anbringen, Leserbriefe, nächtliche Laserprojektor-Installationen, Einkaufschips mit Link, Visitenkarten unter dem Scheibenwischer, Lesezeichen in der Bibliothek, Flugbanner, Demomusik … all das wurde bereits gemacht. Aber wurde dem Thema Präsenz im öffentlichen Raum wirklich die nötige Priorität, der nötige Nachdruck eingeräumt, den es verdient hätte? Ich glaube, bisher leider nicht! Telegram und Facebook sind dafür übrigens kein Ersatz, denn damit erreicht man ganz überwiegend nur die eigenen Blase.

Eine der wohl schlagkräftigsten Organisationen zum Flyer verteilen, mit breitem Ortsgruppennetz, die Freiheitsboten, sind auch innerhalb des Widerstands nur bedingt bekannt. Sie wurden bei der Gründung ein, zwei Mal im Kanal von Bodo Schiffmann erwähnt und starteten mit rundweg 30.000 Aktiven bundesweit. Seitdem sind sie aber kaum gewachsen. Andere Gruppen designen vielleicht auch ab und an einen Flyer und freuen sich, wenn dieser verteilt wird, aber werbende Unterstützung für die Freiheitsboten ist wiederum eher selten. Und auch die Freiheitsboten selbst haben es bisher nicht richtig geschafft, für sich selbst auf den von ihnen verteilten Flyern um weitere Mitarbeit zu werben. Es ist schade, dass diese wichtige Initiative innerhalb des Widerstands nicht mehr Unterstützung erfährt.

Die fundamentale Medienkritik und der Versuch, die Leute von ihren Fernsehern wegzubringen und sich bei alternativen Medien zu informieren, wurde insbesondere auf Demos bisher leider sehr halbherzig unternommen. Und dabei sollte die Medienkritik eigentlich Teil unserer Kernbotschaft sein! Denn was wir damit erreichen können ist „Hilfe zur Selbsthilfe“: Wir müssen den Leuten zeigen, wie und wo sie sich selbst besser und neutraler informieren können. Das verhält sich ganz wie mit dem alten Sprichwort:

Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben.

Mehr an den Empfänger denken

Auch bei dem öffentlich verteilten Infomaterial läuft nicht alles optimal. Es sollte immer vom Kunden, also einem durchschnittlichen Tagesschau-Konsumenten aus durchdacht sein. Wie kommt eine Botschaft bei jemandem an, der täglich mit hysterischen Corona-Horrormeldungen beschallt wird? Wie sieht seine Gedankenwelt aus? Welche Ängste treiben ihn um? Wie wecke ich sein Interesse? Wie leite ich ihn auf eine Internet-Seite mit weiterführenden Informationen? Wie vermittle ich Zweifel an der Regierungspropaganda? Wie bringe ich ihn dazu, sich weitere Informationen aus unabhängigen Quellen zu besorgen? Und letztendlich, wie vermittle ich ihm die nötige Dringlichkeit, auch selbst aktiv zu werden?

All diese Schritte müssen behutsam vermittelt werden. Schon ein einziger Satz zu stark formuliert kann reichen, und die eigene Botschaft wird als Verschwörungstheorie abgetan. Fehlende Quellen oder Quellen, die der potenzielle Leser für unseriös hält, und er wird von leeren Behauptungen ausgehen. Zu langatmiger Text, und möglicherweise klickt er überfordert weg. Am besten lässt man die Texte schon im Entwurfsstadium von Leuten aus der Zielgruppe probelesen, so erhält man das wertvollste Feedback. Je mehr man das Infomaterial auf die potenzielle Zielgruppe anpassen kann, umso besser!

Der Flyer selbst kann immer nur anteasern, das weiterführende Material gehört auf eine verlinkte Webseite. Und genau da haben in meinen Augen fast alle Flyer Defizite. Mögen die Flyer für sich genommen ansprechend gestaltet sein, aber kaum ein Flyer bringt einen Link zu einer eigens für diesen Flyer gestalteten Webseite mit. Im Werbesprech würde man von einer Landingpage reden. All die weiterführenden Links und Quellen könnten bequem dort untergebracht werden. Weitere Grafiken, Infomaterial, längere Begründungen etc. Und selbstverständlich auch Links zu anderen alternativen Medien und Organisationen. Ein Flyer darf keine Sackgasse darstellen, sondern sollte über eine leicht merkbare Internetadresse und QR-Code und wenige Klicks ein großes Informationsangebot erschließen. Die Flyerdesigner sollten hier viel besser mit den Gestaltern der Webseiten zusammenarbeiten, auf welche sie in ihren Flyern verlinken möchten!

Ein Flyer sollte immer auch Kontakt zu der Gruppe ermöglichen, die den Flyer verteilt hat und aktiv zu Mitarbeit aufrufen. Nur so lässt sich die Arbeit zukünftig auf weitere Hände verteilen!

Für Domains, die derzeit gerne im öffentlichen Raum untergebracht werden, gilt ähnliches wie für Flyer. Ist das Material auf corona-ausschuss.de mit den mehrstündigen Videos wirklich geeignet für jemanden, der zum ersten Mal über einen Aufkleber im öffentlichen Raum stolpert? Oder ist er eher von der Länge der Videos erschlagen, und weiß auch nicht recht, welches Video zu welchem Thema er bei welchem Zeitstempel anschauen soll? Natürlich war die Webseite des Ausschusses nie als Landingpage für die breite Öffentlichkeit gedacht. Aber da sie nun von vielen Aktiven dazu auserkoren wurde, wäre eine Umgestaltung mindestens anzuraten!

Auch reitschuster.de liefert zweifelsfrei ausgezeichnete Inhalte. Aber auch hier wäre eine weiterführende Übersichtsseite zu anderen alternativen Medien, Tichy, Achgut, Nachdenkseiten usw. sehr wünschenswert. Umso mehr seit die alternativen Medien von Google und anderen Suchmaschinen oft komplett übergangen werden, ist gegenseitige Vernetzung umso wichtiger. Ich weiß, dass sich Herr Reitschuster lediglich als unabhängiger Journalist versteht, aber auch als solcher darf man auf Angebote von Kollegen hinweisen.

Einige andere Magazine erweisen sich bereits als gute Teamplayer. Sie bieten wie multipolar auch Empfehlungen zu Artikeln anderer Publikationen in einer eigenen Spalte oder Übersichten zu alternativen Medien wie kürzlich im Demokratischen Widerstand.

Welche Webseiten wären gut als generische Landingpage geeignet? corona-blog.net eignet sich für den Themenblock Corona und wurde gerade erst einsteigerfreundlicher umgestaltet. nachrichten-alternativ.de und richtig-informieren.de zielen auf das Thema Medienkritik. Ein QR-Code zu einer Seite, genau auf den jeweiligen Flyer abgestimmt, wäre jedoch immer die Ideallösung. Selbstverständlich ist jeder Werbeprofi herzlich eingeladen, seine Expertise bei der besseren Ausgestaltung und weiteren Optimierung mit einfließen zu lassen!

Fazit

Wir brauchen noch viel mehr Sichtbarkeit im öffentlichen Raum! Weg mit Regierungspropaganda und peinlichen Warnschildern, statt dessen eigene Aufkleber, Infoflyer, Visitenkarten und Schriftzüge. Bei der Gestaltung immer an die Realität des Lesers denken und ihm sanft und schrittweise die alternativen Medien schmackhaft machen. Sackgassen für den Leser vermeiden, statt dessen immer konkrete nächste Schritte anbieten. Und gegenseitig noch besser vernetzen und verlinken!