Leserbrief „Corona-Leugner“

Viele Leserbriefschreiber, die sich kritisch zu den Corona-Maßnahmen der Regierung äußern, scheinen explizit zu erklären, kein Corona-Leugner zu sein. Wieso diese prophylaktische Verteidigung gegen vorschnelle Zuordnungen? Und was ist das überhaupt, ein Corona-Leugner? Wird dieser Kampfbegriff nicht pauschal für jegliche Kritiker des „absolut alternativlosen“ Corona-Kurses unserer unfehlbaren Kanzlerin verwendet?

Dieser Sprachgebrauch, Kritiker derart undifferenziert in eine Gruppe zu packen und anstatt ihre Meinungsfreiheit zu respektieren, sie mit nur schwammig umrissenen, emotional aufgeladenen Kampfbegriffen zu beschimpfen, erinnert mich schwer an dunkles Mittelalter. Damals war das Schimpfwort der Wahl nicht Leugner sondern Ketzer, und jeder Kritiker an Papst und Kirche wurde damit beschimpft, ausgegrenzt und gegebenenfalls brutal abgeurteilt.

Mittlerweile werden die ersten Leute für das „schlimme Vergehen“ mehrfach in der Innenstadt unter freiem Himmel ohne Maske unterwegs gewesen zu sein, tagelang unter unwürdigen Umständen ins Gefängnis geworfen, nackt in die Isolationszelle, im Schnellverfahren abgeurteilt, wie vor wenigen Tagen der „Corona-Leugnerin“ Sylvia Löw aus Weiden passiert. All diejenigen, die das für vollkommen angebracht halten, möchte ich fragen: Fänden Sie es immer noch super, wenn Sie wegen Ihrer Meinung so behandelt werden würden? Wenn plötzlich jemand auf die Idee käme, dass die Maskentragerei ein Verstoß gegen das Vermummungsverbot sei, eine Gefährdung für die öffentliche Sicherheit, latenter Terrorismus sozusagen und deshalb mit schlimmen Strafen zu ahnden sei?

Wäre es nicht höchste Zeit zu akzeptieren, dass keine der hierzulande hochgelobten Zwangsmaßnahmen zu irgendetwas nützlich war, insbesondere wenn man die Situation in Deutschland mit Texas, Florida, Schweden oder Ländern in Osteuropa und Afrika vergleicht, wo es solche Maßnahmen nie gab? Zu akzeptieren, dass das Gesundheitssystem zu keiner Zeit an seine Grenzen gekommen ist, und man letztes Jahr sogar noch 25 Kliniken wegen mangelnder Auslastung geschlossen hat? Zu akzeptieren, dass dieser Virus nun einmal in der Welt ist, und man mit ihm wird leben müssen? Und dass das offenbar auch kein großes Problem darstellt, wie es das Ausland vormacht?

Wäre es nicht höchste Zeit sich auf die ganz essenziellen bürgerlichen Freiheiten unseres Grundgesetzes rückzubesinnen und diese lautstark einzufordern, anstatt sich diese durch permanente Dramatisierungen und Hinhaltetaktik täglich etwas mehr rauben zu lassen?

In diesem Sinne stehe ich zu meiner Regierungskritik, und wer das für Leugnung von irgendetwas hält, bitteschön!